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Deutsches Wanderabzeichen

Inhalt

Ulrich Gövert

Geschichte Nummer 1

Die heißen Sommertage sind vorbei und die schönen Herbsttage mit angenehmen Wandertemperaturen haben begonnen. Halt, es stehen noch Wanderungen an, denn wir wollen auch in 2019 das Deutsche Wanderabzeichen (DWA) erwerben. Unser Wanderverein lädt zu Wanderungen ein, die für das DWA punkten und im Wander-Fitness-Pass dokumentiert werden können. Am Samstag gehts los - Start 9 Uhr.

Abends zuvor: Die Wanderschuhe noch schnell putzen (wie wir es von früher gewohnt sind) und etwas ältere und schon getragene Socken dazu.  Dem Wetterbericht entsprechende Wanderkleidung (mit Regenjacke in Reserve) und den Rucksack schon bereit legen - und natürlich den Wander-Fitness-Pass. Am Samstag nach dem Frühstück den Rucksack packen; Tagesverpflegung und besonders wichtig ausreichend Getränke wie Wasser oder Tee. Dann mit dem Fahrrad zum Startpunkt (CO2 neutral) - in 30 Minuten gut zu schaffen.

Der Wanderführer begrüßt die muntere 25köpfige Gruppe, erläutert kurz die Wanderroute und kontrolliert dabei unauffällig aber mit Kennerblick das Schuhwerk der Teilnehmer/innen. Und auf gehts! Nach einigen Minuten haben wir die schmucke Wohnsiedlung verlassen und sehen am Waldrand im Gebüsch einen prächtigen Strauch Weißdorn, dessen rote Früchte sind ein toller Farbtupfer im satten Grün der Büsche und Bäume.

Auf unserem Wanderweg begleitet uns Vogelgezwitscher. Dieses verebbt plötzlich, stattdessen sind helle glockenähnliche Töne zu hören. Und dann sehen wir die Ursache: Da hat doch jemand, vielleicht ein Künstler, oder aus Schabernack, Kaffeekannen und Tassen an die Äste und Zweige der Bäume gehängt. Und dieser ungewöhnliche Baumschmuck scheppert im Wind. Im weiteren Verlauf unseres Wanderweges treffen wir noch eine Markiererin bei der Arbeit, sie erneuert das Wegezeichen. Und wir erreichen einen Rastplatz für die willkommene Pause…

Da keine Bank mehr frei ist setzen meine Frau und ich uns Rücken an Rücken (alter Kniff, dadurch haben wir beide eine Rückenstütze) ins weiche Gras. Wir löschen unseren Durst mit Mineralwasser und verzehren eine Banane. Man hört´s, die Stimmung ist prima. Plötzlich ruft jemand aus unserer Wandergruppe: " Nun schaut einmal dort drüben auf der Anhöhe inmitten der Bäume - ein Schloss, fast wie im Märchen!" Tatsächlich sind - fasst schemenhaft -  die Umrisse von Türmen und Mauern in einiger Entfernung zu erkennen. Der Wanderführer bestätigt unsere Wahrnehmung und informiert uns sodann, dass unser Wanderweg unterhalb des Schlosses verläuft. Und wir freuen uns auf diese Sehenswürdigkeit am Wegesrand.

Der Wanderführer ruft zum Aufbruch und auf geht´s. Im für alle Mitwandererinnen und Mitwanderer angemessenen  Wandertempo nähern wir uns teils  gespannt und teils neugierig dem nun immer größer wirkenden Schloss auf einem das Umland überragenden Berg. Wir kommen näher und näher, und sehen auf einmal an einem der Türmchen eine Fahne oder ein Banner mit seltsamen Strichen  darauf. Und dann ist es deutlich zu erkennen - es ist ein Skelett und wirkt entsprechend schaurig. Die Wandergruppe bleibt unwillkürlich stehen; es wird diskutiert. Jemand vermutet, dass hier eine Theateraufführung stattgefunden und man vergessen hat, das Banner bzw. die Fahne abzunehmen. Weiter geht´s  und wir widmen uns den Pflanzen, Blüten, Bäumen, Sträuchern und Insekten am Weg. Plötzlich wieder eine Unterbrechung: Da sitzt eine junge Frau auf einem Hocker am Weg mit Blick zum Schloss und dem Skelettbanner, in der Hand ein Tablett mit Farbbehälter und Pinsel. Sie malt doch tatsächlich und hält diesen etwas eigentümlichen Anblick in einem Bild fest. Und wir wandern weiter, gespannt, was uns heute wohl noch erwartet.

Unser Wanderweg wird schmaler und verengt sich zu einem Pfad. Beim Umsehen stelle ich fest, dass unsere Wandergruppe wie ein Indianerstamm auf dem Kriegspfad wirkt - erinnert mich an meine Jugendzeit, als ich die Bücher von Karl May über Winnetou und Old Shatterhand "verschlungen" habe (mit der Taschenlampe unter der Bettdecke!!!) Ja, bei zwei Stunden strammen Wandern "kochen" dem /der ein oder anderen die Füße. Da kommt das Wassertretbecken auf der Anhöhe gerade recht. Wir machen eine Rast und einige ziehen ihre Schuhe aus, stellen sie geordnet nebeneinander an die Umfassungsmauer des Beckens, und gehen in das kniehohe Wasser. Franz ruft: "Man, ist das kalt, meine Füße werden schon ganz weiß".



Unser Wanderführer mahnt zum Aufbruch und als alle startklar sind, geht´s weiter. Es ist später Nachmittag, aber alle sind noch fit und munter. Man hört es an den regen Gesprächen; so manche Geschichte macht die Runde und auch über die durchgemachten Krankheiten und Operationen wird gnadenlos berichtet. Einige gehen schneller und nach vorne. Andere lassen sich auch zurückfallen, um in Ruhe die Natur zu genießen. Wir wandern der Sonne entgegen. In einiger Entfernung werfen vier gemütlich nebeneinander marschierende Wanderer lange Schatten. Mit einem fröhlichen "Frisch Auf" ziehen wir an der Gruppe vorbei und erreichen alsbald den Zielort unserer heutigen etwas längeren Wanderung.
Alle freuen sich auf ein kühles Getränk und auf ein leckeres Abendessen. Offensichtlich schmeckt es - die Gespräche verstummen ein wenig. Aber das dauert nicht lange und das Erzählen beginnt erneut. Jemand holt sein Liederbuch hervor und schon erklingt ein Wanderlied. Zwischendurch bestätigt der Wanderführer die Teilnahme an der heutigen Wanderung im Wander-Fitness-Pass.
Viel zu schnell vergeht der Abend und es wird Zeit für die gemeinsame Heimfahrt mit dem Bus. Der Mond ist aufgegangen und steht gut sichtbar am Himmel. In der hinteren Reihe im Bus scherzt jemand: "Die Säufersonne ist auch schon aufgegangen!"

Im Verlauf unserer halbstündigen Rückfahrt weist Vereinswanderwart Fritz auf die nächste Wanderung hin. In drei Wochen soll es eine " K - O -  M -  B -  I  - Wanderung " geben. Fritz erläutert: Eine Kombination aus Kultur - Offen (für alle) - Migration - Busfahrt - Inklusion / Integration, 10 Kilometer und punktet für das Deutsche Wanderabzeichen. Die Oooh´s und Aaah`s und der folgende Beifall sind eindeutig - der nächste Wandertag findet einhellige Zustimmung.

Und so trifft sich die Wandergruppe nach drei Wochen am Abfahrtspunkt. Franz, seine Frau Mia und Willi fehlen aus familiären Gründen. Aber fünf neue Wanderer sind dabei. Sie haben die Ankündigung und das Programm der heutigen Wanderung im Aushang und in der Presse gelesen, sind neugierig geworden und haben sich zur Teilnahme entschlossen. Mit dem Bus fahren wir zum Startpunkt. Wir wandern durch eine reizvolle und leicht wellige Parklandschaft entlang des Eggerbaches (im nördlichen Osnabrücker Land), der nach dem Regen der letzten Stunden reichlich Wasser führt. Doch nun ist der Regen dem Sonnenschein gewichen. Aber nicht nur wir freuen uns über die angenehmen Sonnenstrahlen, sondern auch ein Salamander. Er hat sich aus seinem Unterschlupf hervorgewagt und wärmt sich auf Gesteinsbrocken.

Nach etwa fünf Kilometern sehen wir am Waldrand unseren Bus und ganz in der Nähe einen Baum mit interessanter Rinde. Diese erregt allgemeine Aufmerksamkeit. Jemand ruft: "Schaut mal, ein Baumgesicht". Und tatsächlich ist mit etwas Fantasie ein Gesicht erkennbar, vielleicht durch Lichteinwirkung oder es hat jemand mit einem Messer nachgeholfen.

Wir machen ja heute eine auch für Neubürger und Flüchtlinge, für jedermann offene, und somit auch der Integration dienende Inklusionswanderung. Wer möchte, kann daher nun mit dem Bus zum Zielort "Waldgalerie" fahren. Nach einer gemeinsamen Pause ruft der Wanderführer zum Aufbruch. Die Wanderer(innen) schaffen die restlichen fünf Kilometer in einer guten Stunde und erreichen in bester Stimmung unser heutiges - kulturelles - Ziel, die "Waldgalerie". Die Busgruppe hat schon in der Cafeteria Platz genommen und nun erfreuen und stärken sich alle gemeinsam an der Kaffeetafel. Zwischendurch stempelt der Wanderführer die Wander-Fitness-Pässe und leitet mit launigen Worten über zum kulturellen Teil des heutigen Wandertages. Wir wollen in die Fotoausstellung mit Bildern, Schnappschüssen und Impressionen über Sehenswürdigkeiten, Tiere, Natur und Landschaft unserer Heimat, aber auch von Deutschen Wandertagen, Veranstaltungen und Zusammenkünften. Ein Foto fällt irgendwie aus dem Rahmen. Es zeigt Menschen in Winterkleidung mit ernsten Gesichtern und brennenden Fackeln in den Händen. Ein Fackelzug? Oder ein Protestmarsch vielleicht zum Thema Klimaschutz - um die Menschen aufzurütteln  und zu sensibilisieren für die Klimanot unserer Erde? Wie dem auch sei - wir haben einen eindrucksvollen und interessanten Wandertag erlebt und treten die Heimfahrt an.

Ja, ein tolles und erlebnisreiches Wanderjahr endet in wenigen Wochen. Wir haben auf unseren Wanderungen die nähere und weitere Umgebung und die Region erkundet und waren begeistert von unserer heimischen Flora und Fauna. Ein Höhepunkt für uns aus dem nördlichen Osnabrücker Land war wieder die Teilnahme am Deutschen Wandertag, dem weltweit größten Wanderertreffen. Die gut geführten Wanderungen vor Ort im Laufe der Wanderwoche und dann die Teilnahme am Festumzug im Block unseres Gebietsvereins haben uns begeistert. Unser Gebietsverein wurde angeführt durch den Präsidenten im Kostüm eines Landvogt - mit seiner Gattin in einem traumhaften zeitgenössischem Barockkostüm. Auch zollen wir den Wegewarten Respekt und Anerkennung für ihre hervorragende Wegearbeit - gute Markierung und gute Wegeunterhaltung. Dem Vernehmen nach, Vereinswanderwart Fritz hat es angedeutet, haben alle Mitglieder unserer Wandergruppe die Bedingungen für das Deutsche Wanderabzeichen erfüllt. Die Wanderschuhe, die uns so manchen Kilometer über Stock und Stein getragen haben, sind gereinigt und geputzt, startbereit für die nächstjährigen Wanderaktivitäten.


Unser Vereinswanderwart Fritz hat die Namensliste für die Deutschen Wanderabzeichen an unseren Gebietsverein geschickt. Dieser hat sie wohl umgehend an den Deutschen Wanderverband weiter geleitet und der hat Abzeichen und Urkunden umgehend geliefert. Das alles passt prima und ist gut gelaufen, denn in unserer traditionellen Weihnachtsfeier im Dezember soll die Ehrung und Übergabe erfolgen.
Unsere Weihnachtsfeier oder etwas nüchtern ausgedrückt die Jahresabschlussveranstaltung ist für uns etwas Besonderes. Schon unser Tagungsraum mit dem knisternden Feuer im Kamin hat ein anheimelndes und überaus gemütliches Ambiente, obwohl im Augenblick die Flammen recht klein sind - unser Feuer für das Wandern hat ganz andere große Flammen! Wer möchte, kann sich einen Bratapfel servieren lassen oder einen Glühwein. Und dann begrüßt der Vereinsvorsitzende mit launigen Worten die Anwesenden. Nicht alle im Verein sind aktive Wanderer: Es gibt die "Kilometerfresser", die Radwanderer. Dann gibt es die Heimatfreunde, die sich insbesondere um den Erhalt der plattdeutschen Sprache und um das plattdeutsche Laienspiel kümmern. Und eine neue Gruppe macht mit Freitagsaktivitäten zum aktuellen Thema Klimaschutz auf sich aufmerksam und bittet um Unterstützung.
Und dann erteilt der Vorsitzende unserem Vereinswanderwart Fritz das Wort für die Übergabe des Deutschen Wanderabzeichens. Wow, unser Fritz ist nicht "auf den Mund gefallen", denn er ruft zunächst so manche Episode auf den Wanderungen in Erinnerung: z. B. Helga hat die Entfernung beim Sprung über den Graben unterschätzt und landete im Wasser. Ulli´s Wanderschuh gab "den Geist auf", die Sohle löste sich. Bei Walters (etwas enger) Wanderhose ist die Naht geplatzt. Bei all dem Spass würdigt Vereinswanderwart Fritz aber auch die Wanderleistung jedes Einzelnen von uns: 200 Wanderkilometer. Sodann überreicht Fritz die Urkunden und die Deutschen Wanderabzeichen. Einige erhalten es in Bronze, einige in Silber und einige in Gold.
Meine liebe Frau Maria hat bereits im letzten Jahr das Goldene Wanderabzeichen erhalten. Ich habe ihre drei Abzeichen zu einem Goldschmidt gebracht und der hat daraus eine hübsche Brosche gefertigt. Und diese Brosche habe ich ihr zum Geburtstag geschenkt.


 

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