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Wan­dern wäh­rend Co­ro­na-Pan­de­mie / Bran­chen­be­fra­gung des Deut­schen Wan­der­ver­ban­des
19.01.2021

Boom mit Fol­gen

Die Nach­fra­ge nach Wan­der­we­gen ist auf­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie im Jahr 2020 im Ver­g­leich zu 2019 stark an­ge­s­tie­gen. Das er­gab jetzt ei­ne Bran­chen­be­fra­gung des Deut­schen Wan­der­ver­ban­des. Aber auch Be­einträch­ti­gun­gen der Um­welt und Nut­zungs­kon­f­lik­te ha­ben zu­ge­nom­men.

In der nicht repräsentativen Befragung des Deutschen Wanderverbandes (DWV) gaben 30 Prozent der Befragten an, dass im Jahr 2020 das Interesse nach Wanderwegen im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen sei, 62 Prozent, dass es angestiegen und sechs Prozent, dass es gleichgeblieben sei. DWV-Studienleiter Erik Neumeyer führt das steigende Interesse am Wandern auf die Einschränkungen der Corona-Pandemie zurück. „Es gibt schlicht keine andere Einflussgröße, mit der diese Entwicklung bundesweit zu begründen ist – viele Menschen haben das Wandern neu für sich entdeckt“, so Neumeyer. Auch der stärkere Betrieb auf den Wanderwegen spiegele den Boom. Über 90 Prozent der für die DWV-Studie Befragten gaben an, dass sie nach dem ersten Lockdown eine sehr hohe oder hohe Frequentierung auf „ihren“ Wanderwegen wahrgenommen hätten.

Besonders häufig nachgefragt wurden laut DWV-Befragung Halbtages- und Tagestouren (90 %), gefolgt von zertifizierten Wanderwegen (54 %), Familienwanderangeboten (43 %) und Mehrtagestouren (35 %). Das sind im Wesentlichen die Wanderungen, die schon vor der Pandemie eine wachsende Rolle gespielt haben. Neumeyer: „Damit hat die Corona-Pandemie wie in vielen anderen Lebensbereichen auch beim Wandern eine verstärkende Wirkung auf bestehende Trends.“  

Gefragt hat die DWV-Studie auch nach Konflikten zwischen Wanderern und anderen Nutzern von Wanderwegen. Bei der Mehrheit der Befragten (56 %) sind diese Konflikte ein Thema, insbesondere zwischen Wandernden und Mountainbiker*innen (87 %). Genannt wurden aber auch Konflikte mit Hundebesitzer*innen (27 %), Naturschützer*innen (26 %) sowie anderen Wandernden und Landwirt*innen (jeweils 25 %).

Ebenfalls aufgrund der stärkeren Nutzung von Wanderwegen zugenommen haben der Befragung zufolge Beeinträchtigungen der Umwelt. 53 Prozent der Befragten gaben an, dass diese zugenommen hätten. Insbesondere wurden Müll am Wegesrand (86 %), „wildes“ Parken (78 %) und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen (61 %) beobachtet, aber auch die Störung der Tierwelt (48 %) und unerlaubtes Campen (38 %).

Beleuchtet hat die Studie auch die Situation in der Gastronomie vor dem harten Lockdown Ende vergangenen Jahres. Bis dahin hatten 42 Prozent der Befragten eine gegenüber dem Vorjahr höhere Auslastung von Gastgebern beobachtet, die sich auf die Bedürfnisse von Wander*innen spezialisiert haben. Hinsichtlich der Zukunftsaussichten schätzten 33 Prozent der Befragten die Situation bei Gastgebern, die nach den strengen Kriterien der DWV-Qualitätsinitiative „Wanderbares Deutschland“ zertifiziert sind, als besonders gut ein.    
Neumeyer geht jedoch davon aus, dass der nach der Befragung einsetzende harte Lockdown tiefgreifende Auswirkungen auf die Gastronomie haben wird. „Je länger anhaltend und härter diese Maßnahmen sind, desto stärker sind die Auswirkungen auf die Branche. Zusätzlich steigt damit die Gefahr, dass hier Strukturen nachhaltig verloren gehen und den aufkeimenden Wanderboom blockieren“, so der Studienleiter. Diese Einschätzung teilten die Teilnehmenden der DWV-Befragung im vergangenen November offenbar noch nicht: 42 Prozent äußerten, dass der mit der Corona-Pandemie einsetzende Wanderboom sich bis einschließlich 2022 fortsetzen werde.

Neumeyer: „In jedem Fall sind die Herausforderungen für eine zukunftsfähige Entwicklung des Wandertourismus und seiner Infrastruktur enorm. Aufgrund des Querschnittcharakters mit vielen Akteuren und dem in der Pandemie nochmal gestiegenen Besucherlenkungsbedarfs sind eine bessere Koordinierung und gesicherte Finanzierung dieses Bereiches notwendig – vor allem im Hinblick auf die nationale strategische Ausrichtung des Tourismus. Hier sind die politischen Entscheidungsträger gefragt. Sie müssen Verantwortung übernehmen.“

Für die Befragung hat der DWV im Herbst 2020 rund 300 (u.a.) Betreiber*innen von Qualitätswegen „Wanderbares Deutschland“, Qualitätsgasgeber*innen „Wanderbares Deutschland“ sowie Wandertourismus-Expert*innen aus touristischen Destinationen sowie Personen aus Schutzgebietsverwaltungen und Wandervereinen per E-Mail angeschrieben. 144 Personen haben die Fragen bis Mitte November beantwortet.

Zum Herunterladen gibt es die Studie unter www.wanderbares-deutschland.de/Corona-info

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